Das Klassik-Prisma Bernd Stremmel Diese Webseite ist urheberrechtlich geschützt.
Sinfonie h-moll D.759 „Unvollendete"
Lehmann
Berliner Philharmoniker
DGG
P 1951
27‘14
5
W
Blomstedt
Staatskapelle Dresden
Berlin classics
1980
24‘08
5
Blomstedt
San Francisco Symphony Orchestra
Decca
1990
26‘22
5
W
Davis
Sächsische Staatskapelle Dresden
RCA
1996
26‘56
5
W
Wand
Berliner Philharmoniker
RCA
1995
27‘28
5
W - live
Wand
Kölner Rundfunk Sinfonie-Orchester
DHM/RCA
1980
26‘50
5
W
Wand
Sinfonie-Orchester des NdR
RCA
1991
28‘00
5
W - live
Furtwängler
Berliner Philharmoniker
DGG
1952
23‘57
5
live
Szell
Cleveland Orchestra
CBS
1957
23‘09
5
sorgfältig und genau
Giulini
Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks
Sony
1995
28‘24
5
W – live, sehr ernst und konzentriert
Giulini
Chicago Symphony Orchestra
DGG
1978
27‘34
5
W - sehr ernst und konzentriert
Horenstein
BBC Symphony Orchestra
BBCL
1971
24‘51
4-5
live
Furtwängler
Berliner Philharmoniker
SWF
1954
23‘39
4-5
live
Furtwängler
Berliner Philharmoniker
WFG/audite
1948
23‘24
4-5
live
Walter
Wiener Philharmoniker
EMI
1936
21‘16
4-5
erstaunlich frisches Klangbild
Klemperer
Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks
EMI
1966
25‘40
4-5
W - live
Furtwängler
Wiener Philharmoniker
EMI
1950
23‘23
4-5
nicht ganz so zwingend wie die live-Aufnahmen
Maag
Philharmonia Hungarica
Vox/Membran
1969
23‘29
4-5
Davis
Boston Symphony Orchestra
Philips
1983
26‘37
4-5
W
Haitink
Concertgebouw Orchester
Philips
1975
25‘52
4-5
W
Monteux
Concertgebouw Orchester
Philips
1963
25‘08
4-5
W – konzentriert und zwingend, dramatisch
Solti
Wiener Philharmoniker
Decca
1984
28‘49
4-5
W – I intensiv, aber nicht düster
Klemperer
Philharmonia Orchestra London
EMI
1963
25‘01
4-5
W
Klemperer
Wiener Philharmoniker
DGG
1968
27‘34
4-5
W - live
Klemperer
Staatskapelle Berlin
DGG/archiphon
1924
22‘34
4-5
Markevitch
Orchestre National Paris
EMI
1955
21‘58
4-5
klingt trotz ihres Alters erstaunlich gut
Walter
New York Philharmonic Orchestra
CBS
1958
24‘54
4-5
I schnell, II langsam
van Kempen
Dresdner Philharmonie
DGG/ Berlin classics
~ 1940
22‘51
4-5
Krips
Wiener Philharmoniker
Decca
1969
26‘43
4-5
W
Karajan
Philharmonia Orchestra London
EMI
1955
23‘24
4-5
Koopman
Niederländisches Radio - Kammerorchester
Erato
1996
28‘20
4-5
W
Otterloo
Residenz Orchester Den Haag
Philips
1959
26‘25
4-5
W
Cluytens
Berliner Philharmoniker
EMI
1960
25‘34
4-5
Mrawinsky
Leningrader Philharmonie
Melodya-BMG
1978
26‘30
4-5
W
Sinopoli
Sächsische Staatskapelle Dresden
DGG
1992
24‘44
4-5
W
Kempe
Bamberger Symphoniker
BMG
1963
24‘24
4-5
Reiner
Chicago Symphony Orchestra
RCA
23‘56
4-5
Sinopoli
Philharmonia Orchestra London
DGG
1982
29‘11
4-5
W – monumental, die Tragische
Norrington
London Classical Players
EMI/Virgin
1989
21‘40
4-5
W – II etwas zackig
Böhm
Berliner Philharmoniker
DGG
1966
22‘55
4-5
Zender
SWR Sinfonie-Orchester Baden-Baden
hänssler
2001
25‘31
4-5
W – II könnte etwas mehr Atmosphäre haben
Kleiber, Erich
Berliner Philharmoniker
Teldec
1935
21‘55
4-5
I dramatisch, trotz des Alters gute dynamische Abstufung
Stein
Bamberger Symphoniker
BMG/RCA
1986
25‘53
4-5
W
Schuricht
Wiener Philharmoniker
Decca
1956
22‘08
4-5
Mackerras
Scottish Chamber Orchestra
Telarc
1998
24‘34
4-5
W
Masur
New York Philharmonic Orchestra
Teldec
1997
26‘43
4
W - live
Britten
English Chamber Orchestra
Decca
24‘49
4
W
Schuricht
Orchestre National Paris
Erato
1963
22‘14
4
live
Goodman
Hanover Band
Nimbus
1989
23‘08
4
W
Walter
Philadelphia Orchestra
History
1947
22‘26
4
Walter
Bayerisches Staatsorchester
BR
1950
23‘13
4
live – unveröffentlicht, Klang etwas belegt
Vegh
Camerata Salzburg
Capriccio
1994
24‘46
4
W
Krips
London Symphony Orchestra
Decca
1950
22‘13
4
Karajan
Berliner Philharmoniker
DGG
1964
24‘02
4
streicherbetont, monumental, wuchtig, HvH bedient bestens das Klischee von der Unvollendeten als Schuberts Schicksalssinfonie
Bernstein
Concertgebouw Orchester
DGG
1987
26‘37
4
W - live
Dohnanyi
Cleveland Orchestra
Telarc
1983
25‘59
4
van Beinum
Concertgebouw Orchester
Philips
1957
24‘28
4
W
Fricsay
Radio Sinfonie-Orchester Berlin
DGG
1957
23‘20
4
Klangbild etwas flächig und grau
Keilberth
Bamberger Symphoniker
Teldec
~ 1959
21‘55
4
II etwas routinemäßig
Abbado
Chamber Orchestra of Europe
DGG
1987
26‘22
4
W
Barenboim
Berliner Philharmoniker
CBS
1986
27‘16
4
W
Beecham
Royal Philharmonic Orchestra
EMI
23‘10
4
erst im 2. Satz bei Schubert angekommen
Böhm
Wiener Philharmoniker
EMI
1940
25‘01
4
entferntes Klangbild
Barbirolli
Hallé Orchestra Manchester
BBCL
1965
23‘55
4
Knappertsbusch
Bayerisches Staatsorchester
Orfeo
1958
20‘50
4
live – I gute dynamische Abstufung, II keine Aufmerksamkeit für Details
Münch
Boston Symphony Orchestra
RCA
1955
23‘48
4
klingt trotz ihres Alters erstaunlich gut
Neumann
Tschechische Philharmonie
Supraphon
1966
23‘54
4
Brüggen
Orchester des 18. Jahrhunderts
Philips
1996
26‘02
4
W
Nott
Bamberger Symphoniker
Tudor
2003
28‘07
4
W – Klangbild mit wenig Klangfarben, kompakt
Münchinger
Wiener Philharmoniker
Decca
26‘34
4
W
Karajan
Berliner Philharmoniker
EMI
1975
25‘35
4
Schuricht
Sinfonie-Orchester des NdR
Tahra
1954
23‘34
4
II Schuricht hebt Basslinie T.96-111 mit Posaunen hervor und gibt ihr ein eigenes Gewicht
Jochum
Boston Symphony Orchestra
DGG
1972
22‘00
4
I klingt wie durchgespielt und aufgenommen
Kleiber, Carlos
Wiener Philharmoniker
DGG
1978
24‘22
4
W
Abendroth
Rundfunk Sinfonie—Orchester Leipzig
Berlin Classics
1950
23‘10
4
live
Muti
Wiener Philharmoniker
EMI
1990
26‘09
4
W
Marriner
Academy of St.Martin-in-the-Fields
Philips
1983
26‘08
4
W - konventionell
Maazel
Wiener Philharmoniker
Sony
1980
27‘58
4
W - live
Kertesz
Wiener Philharmoniker
Decca
1963
27‘33
4
W
Bernstein
New York Philharmonic Orchestra
CBS
1963
25‘45
4
W – Pflichtstück?
Koussevitzky
Boston Symphony Orchestra
History
1936
20‘33
4
Menuhin
Bath Festival Orchestra
EMI
1968
24‘47
4
W
Maazel
Berliner Philharmoniker
DGG
1959
22‘23
4
Karajan
Wiener Philharmoniker
Andante
1968
22‘23
4
live – Salzburg-Routine, mehr an der Oberfläche
Celibidache
Radio-Orchester Lugano
aura
1963
23‘07
4
live – I etwas statisch, II distanziert
Cantelli
Philharmonia Orchestra London
EMI
1955
22‘39
4
Hauptstimmen-betont
Krauss
Bamberger Symphoniker
Amadeo
1951
21‘03
3-4
live – durchgespielt, Tempomodifikationen
Toscanini
NBC Symphony Orchestra
RCA
1950
21‘14
3-4
I dramatisch, keinen Blick auf Details
Celibidache
Münchner Philharmoniker
Bayerischer Rundfunk
1988
24‘37
3-4
live – unveröffentlicht; langsam, matt, lustlos, wenig Spannung
Harnoncourt
Concertgebouw Orchester
Teldec
1992
26‘12
3-4
W
Cantelli
NBC Symphony Orchestra
AS-Disc
1953
21‘55
3-4
live
Levine
MET Orchestra New York
DGG
1993
23‘54
3-4
W – al fresco
Haselböck
Wiener Akademie
Novalis
1993
20‘23
3-4
W
Keitel
Putbus Festival Orchestra
Arte Nova
1997
27‘37
3-4
W – konventionell, unausgeglichenes Orchester
Stokowski
London Philharmonic Orchestra
Decca
1969
24‘38
3-4
sehr guter Klang – klingt alles schön und bedeutend, ist aber kein Schubert
Mengelberg
Concertgebouw Orchester
Radio Years
1939
25‘01
3
W – live, Tempo-Wechselbäder, störende Geräusche der alten Acetat-Platten
Alle Klassikfreunde kennen die Unvollendete und oft stehen mehrere Interpretationen in ihrem Plattenregal. Sie haben sich in ihrem „Hörerleben" die Struktur des Werkes und ihren Klang eingeprägt und glauben zu wissen, wie es aufzuführen ist. Es ist nicht leicht, sich von eingefahrenen Hörgewohnheiten zu trennen und sich anderen Sichtweisen zu öffnen. Da hat es ein Interpretationsvergleich schwer, gerade dann, wenn er bei den meisten Lesern ohne Blick in die Partitur geführt wird. Bei der Unvollendeten „liegt der Teufel" sprichwörtlich im Detail, und da gibt der Notentext dem Interpreten kleine aber deutliche Hinweise aus der Hand des Komponisten, die leider von manchen Interpreten übersehen oder nicht ernst genommen werden.
Da stellt sich zunächst in beiden Sätzen die Frage des Tempos. Schubert schreibt über den 1. Satz Allegro moderato, also mäßig schnell. Viele Interpreten wählen dieses Tempo, einige neigen mehr zum etwas schnelleren Allegro (z.B. Toscanini, Walter, Koussevitzky, Norrington, Levine, Zender), andere denken, Schubert habe hier ein langsameres Tempo gemeint (z.B. Furtwängler, Barbirolli, Koopman, Keitel). Sicher ganz falsch ist es, das Anfangsthema T.1-8 in Celli und Kontrabässen ganz langsam zu spielen, quasi als Einleitung, als Motto, um dann ab T.9 in einem hörbar schnelleren Tempo fortzufahren (z.B. Brüggen, Cantelli, geradezu hektisch C.Kleiber!). Stokowski lässt die ersten 8 Takte sehr wuchtig (bedeutend) und gar nicht pp im Streichersound vorführen. In den Takten 6 – 8 wird nur der Ton fis ausgehalten (9 Schläge). Krips, C. Kleiber und Haselböck setzen schon ungeduldig nach dem 8. Schlag ein, Abbado dagegen gibt noch einen 10. dazu. Aufnahmebedingt verstärkt Klemperer in seiner ersten noch akustisch mitgeschnittenen Aufnahme aus dem Jahr 1924 die Bässe mit einem Kontrafagott.
Ab T. 13 hat der Dirigent darauf zu achten, dass Oboen und Klarinetten gleichmäßig zu hören sind. Leider ist das oft nicht der Fall, die Oboen drängen sich vor, besonders die dünnen, spitzen aus England, aber auch aus Wien und Amsterdam (z.B. Menuhin, Immerssel, Vegh, Maag, Otterloo, Harnoncourt, Kertesz). Im Übergang zum 2.Thema T.38-41 gibt es wieder einen langen Halteton in Fagotten und Hörnern, 9 Schläge. Harnoncourt lässt nur 6 spielen. Mit dem Takt 42 beginnt das 2. Thema, am Anfang 2 Takte Klangteppich aus Kontrabässen, Bratschen und Klarinetten. Das pizzicato der Bässe muss gut zu hören sein, nicht zu leise (Karajan-POL, Celibidache-aura), aber auch nicht zu laut. Es ist auch wünschenswert, dass sich die Klarinetten von den Bratschen klanglich unterscheiden. Im Takt 44 setzen dann die Celli mit ihrem schönen gesangsvollen Thema ein (pp=sehr leise zu spielen), ab Takt 53 wird es von Geigen in höherer Lage wiederholt, auch im pp! Einige Dirigenten lassen hier die Geigen (viel) lauter spielen (z.B. Stokowski, Horenstein, Schuricht-WPh, Krips, Masur, Neumann). Andere bringen das Thema langsamer (z.B. C. Kleiber, Sinopoli-Dresden).
Nachdem Schubert das 2. Thema ausführlich durchgeführt hat, folgt ab T.105 bis zum Wiederholungszeichen in T.109 ein langer Ton h in Oboen, Fagotten und Hörnern, während alle Streicher dazu kontrastierend gezupfte Töne spielen, alles pp!! In Blomstedts Dresdner Aufnahme klingt diese Stelle überraschend ganz fahl, ratlos. Die Bläser sind außerdem als Einzelstimmen zu unterscheiden, nicht als Block wie bei fast allen anderen Aufnahmen. Mich überzeugt diese Lesart ungemein. Zu Beginn der Durchführung ab T.110 treten zu den genannten Bläsern noch Flöten, Trompeten und Posaunen hinzu. Im Takt 113 wechselt die Klarinette vom notierten Ton a zu c. Auf diesen kleinen Tonwechsel wartet der kundige Hörer meist vergebens. Lediglich P.van Kempen, C. Davis, Immerseel, Maazel-WP, Kertesz, Keitel und Muti schenken diesem Takt ihre Aufmerksamkeit.
Die Durchführung wird vom 1. Thema beherrscht, es beginnt wie am Anfang des Satzes, nun in e-moll. Celli und Kontrabässe spielen immer tiefere lange Noten, alles ist sehr leise zu halten. Dann setzen Geigen ein (T.122), 2 Takte später Bratschen und Fagotte (Engführung), in Takt 124 kommen dann noch Bläser hinzu, erst hier schreibt Schubert f vor, ab T.139 ein crescendo (lauter werden) und auf dem Höhepunkt T.146 soll dann kurz ff erreicht werden. Der 25jährige Schubert schuf hier eine grandiose dramatische Steigerung. Leider misstrauen viele Dirigenten Schuberts Anweisungen und glauben ihn verbessern zu müssen: die Geigen setzen schon in T.122 viel zu laut ein (z.B. Kertesz, Levine, Cantelli-NBC), in Takt 124 ist dann schon ff erreicht. Furtwängler ergänzte Schuberts Instrumentation und fügte im Takt 146 noch eine Pauke hinzu. Der sonst so überaus korrekte Böhm beginnt T.122 deutlich langsamer und beschleunigt dann das Tempo. Bei Karajan-75 wird T.121 gedehnt. Bei Muti dürfen die philharmonischen Geigen aus Wien mit üppigem Vibrato glänzen. Harnoncourt beschleunigt diese Stelle, als misstraue er der Musik. Stokowski inszeniert hier einen mächtigen Auftritt im Hollywood-Sound, imposant! Sehr gelungen klingt diese Stelle bei Wand, Klemperer-POL, Norrington. In Takt 218 setzt die Reprise ein. Einige Dirigenten haben das Tempo zuvor verlangsamt und lassen das Orchester jetzt wieder schneller spielen (z.B. Britten, C. Kleiber, Levine). Man könnte noch mehr beleuchten, aber ich beschränke mich zuletzt auf eine Stelle, die nach dem ersten Höhepunkt der Durchführung dreimal nacheinander erscheint: T.150-153, T.158-161 und T.166-169. Der Hörer kennt die Stelle, Flöten und Geigen spielen leise jeweils 4 Takte metrisch versetzte Noten, während die Streicher absteigend gezupfte Noten erklingen lassen. Aber Schubert hat in diese etwas ratlos klingende Stelle noch 2 Fagotte geschrieben, die lange Haltetöne zu spielen haben und so die 3 Stellen in einen magischen Klang verwandeln, falls die Fagotte beachtet werden, d.h. ein klein wenig lauter spielen dürfen. In den meisten Aufnahmen sind diese Takte glatt verschenkt. Einzig beim gelernten Klarinettisten Colin Davis in seiner Dresdner Aufnahme klingt diese Stelle so, wie sie sich der Komponist (wahrscheinlich) gedacht hat.
Im 2. Satz möchte ich noch auf vier Stellen hinweisen, die mir für die Interpretation als wichtig erscheinen. Zunächst wieder die Tempofrage, Schubert hat den Satz mit Andante con moto überschrieben, also gehend, schreitend, mit Bewegung. Wie im ersten Satz lassen einige Dirigenten etwas (zu) langsam spielen (z.B. Walter-NY, Neumann), andere halten sich eher an das con moto und geben ein eher schnelleres Tempo vor (z.B. Knappertsbusch, Münch, Markevitch, Norrington, Goodman).
Das 1.Thema (E-dur) wird ab T.32 durch einen Marsch im ¾-Takt unterbrochen. Hier ist sehr darauf zu achten, dass man die Holzbläser und die Posaunen deutlich hört, Hörner und Trompeten müssen ein wenig zurücktreten. Die Stelle scheint mir eine Vorwegnahme des Trios aus seiner letzten Sinfonie zu sein.
Im 2.Thema (cis-moll) ab T. 64 legt Schubert einen Klangteppich in den Streichern aus, über den sich die 1. Klarinette erheben darf. Die Qualität des Instruments und die Sensibilität und Atemreserven ihres Spielers sind zu bestaunen. In T.82 erreicht die Musik dann Cis-dur. Danach übernimmt die Oboe die Führung (enharmonisch gewechselt in Des-dur). In diesen Takten liegt ein unheimlicher Zauber, der sich jedoch bei grobem, undifferenziertem Spiel nicht einstellt. Es scheint, als habe Schubert hier schon den Impressionismus vorausgeahnt.
Von ähnlicher Qualität ist der Schluss des 1.Teiles (T.133-141): das 1. Horn wechselt sich taktweise mit Oboe, Flöte und Klarinette ab (alles pp !). Darunter wieder ein Klanggespinst aus Streichern (C-dur), wobei die 2.Geigen pendeln: c-h-ais-h-c. Diese leise Bewegung kommt bei vielen Interpretationen nicht deutlich heraus. In T.140/41 erfolgt dann fast unmerklich die Modulation nach E-dur in Celli, Kontrabässen und Bratschen, alles von Schubert sehr subtil ausgedacht. Lehmann, Wand, Horenstein, Neumann, Maazel-WPh, Celibidache-aura und Otterloo hatten das richtige Gespür für diese eindrucksvolle Stelle.
Ich muss gestehen, das Nicht-richtig-ernst-nehmen des Notentextes, die vielen Unterlassungen oder Übertreibungen können letztendlich die Unvollendete nicht gefährden, auch darin zeigt sich die Qualität dieser einzigartigen Komposition!
eingestellt am 01.05.07