| Das Klassik-Prisma | |
Streichquartett f-moll op.80
Diese Webseite ist urheberrechtlich geschützt.
|
Leipziger Streichquartett |
MDG |
2002 |
25‘01 |
5 |
I bohrend intensiv, kein Nachlassen der Spannung, II expressiv, unerbittlich, dämonisch, manchmal auf Kosten der Klangschönheit, III intensiv |
|
Carmina Quartett |
Denon |
1991 |
23‘50 |
5 |
I sehr engagiert, II vorwärtsdrängend , IV überzeugender Schluss |
|
Talich Quartett |
Calliope |
2002/03 |
23‘23 |
4-5 |
I musikantischer Ansatz, ohne die Unerbittlichkeit der Leipziger , III nahe am Text |
|
Cherubini Quartett |
EMI |
1990 |
25‘06 |
4-5 |
dem Leipziger Str.Qu. auf den Fersen, guter 3. Satz , 4. Satz etwas zu langsam |
|
Melos Quartett |
DGG |
1980 |
24‘27 |
4-5 |
I stellenweise aufblühender Klang, IV merkwürdige Betonung der 16-tel im Cello auf der 1, inkonsequent, da die anderen Instrumente dies nicht übernehmen |
|
Eroica Quartet |
HMF |
2002 |
24‘38 |
4 |
I 16-tel etwas zu breit genommen, verlieren deshalb von ihrer Bedrohlichkeit, IV trotz schnellem Tempo etwas Leerlauf |
|
Emerson String Quartet |
DGG |
2004 |
23‘44 |
4 |
kultiviert, insgesamt wenig gespannt, etwas distanziert |
|
Rodin Quartett |
Amati |
2001 |
26‘14 |
4 |
könnte etwas differenzierter sein, II ein wenig buchstabiert |
|
Bartholdy Quartett |
Acanta |
P 1974 |
23‘44 |
3-4 |
I am besten gelungen, III Andante, zu unruhig – helles Klangbild |
|
Henschel Quartett |
Arte Nova |
2001 |
24‘49 |
3-4 |
stellenweise orchestral und dick im Klang, deshalb auch etwas schwerfällig |
|
Aurora String Quartet |
Naxos |
1993 |
24‘48 |
3-4 |
I stellenweise ziemlich orchestral, IV zu langsam und zu schwerfällig |
Das Streichquartett in f-moll, posthum unter der Opus-Zahl 80 veröffentlicht, ist Mendelssohns letzter und gewichtigster Beitrag zum Genre Streichquartett. Ernst Herttrich schreibt im Vorwort zur Studienpartitur des G. Henle-Verlags: "Mendelssohns Streichquartett op.80 ist eines seiner wenigen „autobiographischen" Werke, ein ergreifendes musikalisches Dokument seiner Trauer um den Tod seiner Schwester Fanny und seines Versuchs, den Schmerz um diesen Verlust künstlerisch zu verarbeiten."
Wie so oft bei diesem Komponisten ist die richtige Tempowahl entscheidend für eine adäquate Wiedergabe. Im Vergleich mit den Tempoangaben in Mendelssohns übrigen Quartettkompositionen muten die in op.80 extrem an. In (fast) keinem anderen Quartett finden sich schnellste Tempi in den Ecksätzen und im Scherzo und ein langsamer Adagio-Satz, kein Andante! Leider kommt keine der hier untersuchten Einspielungen den Vorstellungen des Komponisten voll entgegen, die Quartettformationen scheuen die Extreme. Auch bei den beiden Erstplatzierten bleiben Wünsche offen: so innig das Carmina Quartett den 3. Satz spielt, er würde noch gewonnen haben, wenn die vier Spieler den Mut aufgebracht hätten, langsamer zu spielen, den Schlusssatz dafür noch schneller. Das Leipziger Streichquartett spielt diesen Satz mit 5‘15‘‘ am schnellsten, jedoch noch nicht schnell genug, er sollte atemlos, beinahe wie gehetzt klingen.
Insofern müssen wir noch auf die definitive Aufnahme des f-moll Quartetts warten.
eingestellt am 03.11.07