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Das Klassik-Prisma |
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Bernd Stremmel |
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Johann
Sebastian Bach
4.
Brandenburgisches Konzert G-Dur BWV 1049
Allegro
– Andante – Presto
Jedes der sechs „Brandenburgischen
Konzerte“ trägt sein eigenes Profil, keines gleicht dem anderen. Darin
unterscheiden sie sich von Konzerten anderer Komponisten der Zeit, die z. B. in
ihrer Besetzung sechsmal oder sogar zwölfmal immer mit demselben
Instrumentarium aufwarten. Die Entwicklung der Konzertform führt im 17.
Jahrhundert nach Italien, Corelli und Vivaldi sind die bekannten Meister. Aus
dem mehrsätzigen Concerto grosso, in der Regel
in Streicherbesetzung, entwickelte sich das dreisätzige Concerto/Konzert mit
der Satzfolge schnell-langsam-schnell. Charakteristisch in den Anfängen der
Form ist die Gegenüberstellung von einer Gruppe weniger Musiker, Solisten
(Concertino) zu einer größeren Formation (Ripieno),
die sich beim Musizieren abwechseln – in der Barockzeit beliebt sind
Echowirkungen – aber auch miteinander spielen. Zur Abwechslung treten neben die
Streicher auch Bläser wie Flöten, Oboen, Hörner, Trompeten (oft zusammen mit
Pauken) und veranlassen so ein farbiges Klangbild. Mit dieser Abwechslung
warten die sogenannten sechs „Brandenburgischen Konzerte“ auf, die Bach auf Bestellung des Markgrafen Christian Ludwig von
Brandenburg – jüngster Sohn des „Großen Kurfürsten“ – verfasste, den er
1717/1719 in Berlin oder im anhaltinischen Köthen kennengelernt hatte. Dort war
Bach als Kapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen angestellt. Er
leitete die 18-köpfige Hofkapelle und verfasste gewünschte Musikalien, die er
mit der Kapelle sogleich ausprobierte. Ob Bach die Konzerte tatsächlich auf
Bestellung verfasste oder auf eine Anstellung (als Kapellmeister/Organist) am
Brandenburgischen Hof erhoffte, ist nicht gesichert. Bach erhielt keine
Anstellung, auch ein Wort des Dankes ist nicht überliefert. Hinweise auf
Aufführungen beim markgräflichen Hof fehlen ebenfalls. Die Bezeichnung
„Brandenburgische Konzerte“ geht nicht auf ihren Schöpfer, sondern auf den
Bach-Biographen Philipp Spitta zurück und hat sich in Folge durchgesetzt. Bach
selbst ist dieser Namensgebung nie begegnet. Spittas Bach-Biographie erschien
nach sechsjähriger Arbeit im Jahre 1879.
Bei den „Brandenburgischen Konzerten“
konnte Bach auf früher entstandene Konzerte zurückgreifen, die er für seine
neuen Zwecke erweiterte, kürzte und uminstrumentierte. So schuf er nach und
nach sechs Konzerte mit jeweils charakteristischem Outfit. Das Konzert Nr. 4 in
G-Dur verlangt zwei Flöten (keine Quer-/Traversflöten) sowie eine Solo-Violine,
sie bilden das Concertino. Der Kopfsatz (mit 427 Takten) ist außerordentlich
lebhaft angelegt, wobei die Violine ständig versucht, die beiden Flöten in
Bezug auf Virtuosität zu übertreffen. Im zweiten langsamen Satz mit pastoralem
Anstrich treten die Flöten hervor. Im letzten Satz erhält die Violine erneut
einen besonderen Stellenwert. Es ist ein lebhaftes Presto in Fugenform. In
seiner späteren Leipziger Zeit überarbeitete Bach dieses Konzert, er änderte
die Tonart zum tieferen F-Dur. Anstelle der Violine trat nun das Cembalo, die
Flöten werden übernommen. So ist es auch noch heute bekannt.
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Historisch-informierte Aufführungspraxis, teilweise mit
Original-Instrumenten: |
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5 |
Nikolaus Harnoncourt |
Concentus Musicus Wien |
Teldec |
1981 |
15‘56 |
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▼ |
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5 |
Trevor Pinnock |
The English Concert |
DGA |
1982 |
15‘26 |
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I im Vergleich
zu Goebel viel deutlicher und ausgeglichener, bessere Transparenz,
„erdverbunden“, II hier kann die Musik mehr atmen – Bass insgesamt etwas (zu)
stark abgebildet |
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5 |
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Concerto Köln |
Berlin Classics |
2014 |
14‘47 |
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I ausgewogen,
gelassen, elegant, ansteckende Spielfreude, II „starke“ Flöten, III
Temperament und Präzision auf gemeinsamen niveauvollen Nenner |
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5 |
Gustav Leonhardt |
Leonhardt Consort |
Sony |
1976/77 |
15‘26 |
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I klingt
farbiger und virtuoser als Kollege Harnoncourt, II ruhiges Voranschreiten,
Stimmen gut voneinander getrennt, III Fugeneinsätze nicht immer deutlich,
etwas dunkler Klang, Instrumente rücken zusammen |
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5 |
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Café Zimmermann |
Alpha |
2004 |
14‘08 |
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I Allegro
molto, vehementer Zugriff, markant akzentuiert, Virtuosität herausstellend,
spannungsvoll; spielfreudig, aber auch mit einer gewissen Sinnlichkeit, Sätze
II und III in ähnlicher Weise |
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5 |
Sigiswald Kuijken |
La Petite Bande |
DHM |
1993 |
15‘18 |
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I spürbares
Engagement; Dynamik, die den Hörer mitnimmt, nie starr, stärkster Eindruck
von allen drei Sätzen, II/ III klares Musizieren |
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5 |
Christopher Hogwood |
The Academy of Ancient Music |
Decca |
1984 |
14‘45 |
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I klares
Musizieren, lebendig, II bewegt, gute Transparenz, helles Klangbild, III
bewegt, nirgends ein Innehalten oder Atemholen |
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5 |
John Eliot Gardiner |
The English Baroque Soloists |
SDG |
2009 |
14‘35 |
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I
elastisches Musizieren, blitzsauber, Dynamik nicht überspielt, II aufmerksame
Umsetzung der Partitur, III spontan wirkende Musizierfreude |
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5 |
Claudio Abbado |
Mozart Orchestra Bologna |
DGG |
2007 |
15‘34 |
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live, I
aufmerksames Miteinander, ausgewogene Dynamik, II Musik darf atmen, III
natürlich musikalischer Fluss |
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5 |
Rüdiger Lotter |
Hofkapelle München |
DHM
Sony |
2013 |
13‘45 |
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I sehr lebendig,
nuanciertes Musizieren, virtuose Solisten, ausgeprägte Dynamik, II schnelles
Andante, III demonstratives Prestissimo – Bach im Turbogang, insgesamt
virtuose Darstellung, hatte es Bach so gewollt? |
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4-5 |
Nikolaus Harnoncourt |
Concentus Musicus Wien |
Teldec |
1964 |
16‘35 |
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▼ |
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4-5 |
Reinhard Goebel |
Musica antiqua Köln |
DGA |
1987 |
13‘40 |
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insgesamt virtuoser
Stil, I schlankes Musizieren, zielstrebig nach vorn, präzise Tongebung,
Flöten leider weniger präsent, III das schnelle Tempo macht es nicht leicht,
die Stimmführungen immer zu verfolgen |
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4-5 |
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Freiburger Barockorchester |
HMF |
2013 |
14‘37 |
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I leicht
und locker musiziert, Balance nicht auf höchstem Niveau, II zurückhaltend,
Dynamik etwas zurückgefahren, III Soli und Ripieno
rücken eng zusammen, elastisch |
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4-5 |
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The Chamber Orchestra of Europe |
DGG |
1990 |
14‘51 |
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I Solo-Vl. wünschte man sich etwas lockerer, ausgewogene
Dynamik, insgesamt gediegen, II sprechende Artikulation, III von
musikalischer Engergie sprühende Darstellung |
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4-5 |
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Collegium Aureum |
DHM
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1967 |
16‘20 |
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I Musik
darf atmen, Synthese zwischenklassischer Klarheit und organischem Musizieren,
II ruhiges Voranschreiten, III nichts Übereilen – aus den Anfängen des
Musizierens nach historisch-informierter Aufführungspraxis |
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4-5 |
Giovanni Antonini |
Il Giardino Armonico |
Teldec |
1996 |
14‘58 |
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spontan
wirkende Musizierfreude, elastisches Musizieren, eindeutig: Solisten am Werk,
deutliche Stimmführung |
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4-5 |
Masaaki Suzuki |
Bach Collegium Japan |
BIS |
2008 |
15‘00 |
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I mit Feingefühl,
nicht auftrumpfend eher diskret bleibend, II unaufgeregte Art, Musik läuft
wie von selbst, III Ripieno solistisch besetzt (in
allen Sätzen), elegant, insgesamt schlankes Musizieren |
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4 |
Philip Pickett |
New London Consort |
Decca |
1993 |
15‘05 |
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I Flöten
nicht immer in bester Balance, Ripieno teilweise in
Gruppen, insgesamt fehlt ein schlüssiges Konzept, II Solo-Vl.
oft hinter Flöten, etwas dunkler Klang, klingt etwas steril, III Soli und Ripieno dicht beieinander, wenig gegliedert |
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4 |
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Orchestra of
the Age of Enlightenment |
Virgin |
1988 |
15‘22 |
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sauberes Musizieren,
die beiden Flöten im Klang sehr nahe beieinander, als wäre es nur eine,
Transparenz nicht bestens, insgesamt etwas kompakter Klang, III Presto, ~
T.117 Solo-Vl. klingt wie mehrere Soli |
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4 |
Andrew Parrott |
Taverner Players |
Virgin EMI |
P
1989 |
14‘24 |
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Musik wie
nur flott durchgespielt, Instrumente mehr neben- als miteinander, farbiger
Klang |
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4 |
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Akademie für Alte Musik |
HMF |
1997 |
14‘02 |
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I M. Seiler
(Solo) stellt die Virtuosität des Soloparts heraus, cresc.- und dim.-Passagen
gegenübergestellt, gelöstes Musizieren, aber auch ausdrucksstark, II
Flötenklang sehr dicht beieinander – man vermisst einen höheren Grad von
Transparenz und Balance |
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4 |
Jeanne Lamon |
Tafelmusik Baroque Orchestra |
Sony |
1994 |
14‘47 |
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sorgfältiges
Musizieren, solide, Stimmführung nicht immer deutlich, II schnelles Andante,
etwas steril, III eher korrekt als mit Hingabe musiziert |
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4 |
Marek
Śtryncl |
Musica Florea |
Supraphon |
2006 |
14‘27 |
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I Ripieno stellenweise klanglich etwas zurück, Soli und Ripieno klanglich dicht beieinander, II sorgfältig,
solide, wenig Inspiration, III etwas routiniert |
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4 |
Max Pommer |
Neues Bachisches
Collegium Musicum Leipzig |
Eterna Capriccio |
1984 |
14‘53 |
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I heller
Klang, solide, Musik läuft wie von selbst, II lebhaftes Andante, 2. Flöte
etwas zurückgesetzt, III gelöstes Musizieren |
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4 |
Peter Schreier |
Kammerorchester C.Ph.E.
Bach |
Philips newton |
1992 |
15‘34 |
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I in den T.
3 und 5 (jeweils im Themenkopf) schwankende Artikulation: mal stacc.
dann legato, II / III Musik gespielt, aber kaum entdeckt, sie läuft
wie von selbst |
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4 |
Karl Richter |
Münchner Bach-Orchester |
DGA |
1967 |
16‘03 |
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I sich Zeit
lassend, jedoch frischer als die frühere Aufnahme ▼, leider nicht so schlank wie Aufnahmen aus dieser Zeit, II Ripieno kraftvoll,
mit etwas Druck, III Tempo nach Partitur – insgesamt festes Musizieren |
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4 |
Rudolf Baumgartner |
Festival Strings Lucerne |
DGA |
1960 |
16‘24 |
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I sorgfältig,
jedoch etwas sachlich, Soli dominieren, II darstellerische Konzentration, III
etwas schwerfällig |
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4 |
Rudolf Baumgartner |
Festival Strings Lucerne |
Ariola |
1978 |
16‘42 |
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I Flöten
vorn, Ripieno zurück, warum nicht etwas
geschmeidiger? II etwas langatmig, III wie durchgezogen, Musik läuft wie von
selbst |
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3-4 |
August Wenziger |
Konzertgruppe der Schola Cantorum
Basiliensis |
DGA |
1952 |
16‘59 |
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Aufnahme aus
der Zeit der Anfänge der historisch-informierten Aufnahmepraxis, etwas
handfest musiziert, klingt insgesamt etwas bemüht, III zu bemüht |
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3-4 |
Martin Haselböck |
Wiener Akademie |
Novalis |
1988 |
15‘45 |
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I
zurückhaltende 2. Fl., Doppelgriffe der Solo-Vl. T.
217-228 nicht herausgestellt, T. 57 Spannungseinbruch, T. 315 ff. plötzlich
leiser, II gleichmäßiger Ablauf, III Flöten zu sanft, Balanceprobleme nicht
zu überhören, insgesamt unausgeglichen |
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3-4 |
John Dutt |
Dunedin Consort |
Linn |
P
2013 |
14‘30 |
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I
elastisch, etwas oberflächliche Brillanz, stellenweise wie mechanisch, II
etwas einfallslos, III die große Linie, interpretatorisch kaum Ideen |
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3-4 |
Szymon Goldberg |
Niederländisches Kammerorchester |
Philips Retrospective |
1958 |
17‘07 |
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I sauber
musiziert, hier und da klingt es jedoch wie gestelzt, flexibel gehandhabte
Dynamik, II Streicher mit viel Druck, insgesamt jedoch etwas schwerfällig,
III kein Presto, eher gezogen, wie buchstabiert |
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Aufnahmen
in traditioneller Aufführungspraxis: |
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5 |
Benjamin Britten |
English Chamber Orchestra |
Decca |
1968 |
16‘43 |
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I Concertino
und Ripieno in sehr gutem Verhältnis, überzeugende
Dynamik, hohe Transparenz, II Andante, Musik akribisch ausformuliert, jeweils
zwei Achtel gebunden, III mit architektonischer Feinarbeit, schwungvoll |
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5 |
Neville Marriner |
Academy of St.Martin-in-the-Fields |
Philips |
1980 |
16‘04 |
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I klare
Artikulation, spielfreudig, ausgewogen, erfrischend, ausdrucksstarkes
Concertino, II gestalterischer Ernst, ausdrucksstark, III vehementer Zugriff
– farbenreiches Klangbild |
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Pablo Casals |
Marlboro Festival Orchestra |
Columbia Sony |
1964 |
14‘43 |
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I spontan
wirkende Musizierfreude, schnörkellose Klarheit, dynamisches musizieren, II
Streicher im philharmonischen Stil, III klangvoller Espressivo-Satil – R.
Serkin dezent am Flügel (b. c.) |
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4-5 |
Adolf Busch |
Kammerorchester Adolf Busch |
EMI
Warner |
1935 |
15‘32 |
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I
zupackend, vom ersten bis zum letzten Ton, II ernste Stimmung, mit etwas
Druck, III fast ohne Atmen durchgezogen, stellenweise zurückgesetztes Klangbild
– R. Serkin dezent am Flügel (b. c.) |
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4-5 |
Riccardo Chailly |
Gewandhausorchester Leipzig |
Decca |
2007 |
15‘19 |
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I
temperamentvoll, rhythmischer Schwung, virtuose Solo-Vl.,
II in den ersten drei Takten unruhiges Tempo, die gebundenen Achtel nicht
ganz zusammen, danach ohne Tadel, III selbstverständliche Perfektion,
spürbare Vitalität, Repieno hier im
philharmonischen Stil |
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4 |
Carl Schuricht |
Züricher Barockensemble |
Preludio Scribendum |
1966 |
15‘44 |
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I
Concertino und Ripieno klanglich dicht zusammen,
zielstrebig nach vorn, II klare Artikulation, klanglich jedoch etwas
gewichtig, III gelöstes Musizieren, auch ausdrucksstark |
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4 |
Otto Klemperer |
Philharmonia Orchestra London |
HMV Warner |
1960 |
16‘30 |
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I darstellerische
Konzentration, sich Zeit lassend, natürlich musikalischer Fluss, II
Concertino und Ripieno verschmelzen fast, III
zielgerichtet nach vorn, schlanke und präzise Tongebung – insgesamt gute
Transparenz |
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4 |
Otto Klemperer |
Pro Musica
Orchester |
Vox u.a. |
1946 |
15‘50 |
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Klemperers
erste europäische Aufnahme nach WK II - I nicht langsam, klingt aber etwas
betulich, cresc. T. 202-208 (Höhepunkt), etwas entferntes Klangbild,
II ruhiges Schreiten, gediegen, III erfrischend, eher sachlich als
temperamentvoll |
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4 |
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I Musici |
Philips |
1984 |
15‘01 |
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I erfrischendes
Musizieren, Spannung, Solo-Vl. leider klanglich
etwas zurück, II Andante, immer zwei Achtel gebunden, III bewegt, kräftige
Streicher |
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4 |
Lorin Maazel |
Radio-Sinfonie-Orchester Berlin |
Philips |
1965 |
16‘44 |
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I sachliches
Musizieren, philharmonisch, vehementer Zugriff, II ausdrucksstark, jedoch
auch etwas schwerfällig, III schwungvoll – in Streicherpassagen starke Bässe |
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4 |
Yehudi Menuhin |
Bath Festival Orchestra |
EMI Warner |
P
1959 |
17‘05 |
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I fast
schon gemütlich, Instrumente nicht immer im ausgewogenen Verhältnis, II
Spannung nicht immer gehalten, III kein Presto, Musik auf das Handwerkliche
reduziert, etwas grob |
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3-4 |
Karl Richter |
Kammerorchester Karl Richter |
Telefunken Zyx |
~
1955 |
17‘40 |
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I langsam,
wie gezogen, II Concertino und Ripieno nicht immer
zusammen, III gezogen, eher sachlich als temperamentvoll, kein Presto |
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3-4 |
Raymond Leppard |
English Chamber Orchestra |
Philips |
1974 |
15‘59 |
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I auf
längst bekannten Wegen unterwegs, Musik läuft wie von selbst, II geradlinig
nach vorn, jedoch etwas spröde, III kein Presto, Musik gespielt, jedoch kaum
entdeckt |
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3-4 |
Paul Sacher |
Kammerorchester Basel |
Philips forgotten records |
1954 |
16‘53 |
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I kaum Allegro,
etwas schwerfällig, II großbesetztes Orchester? III kein Presto, Musik wird
durchgezogen |
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3-4 |
Jascha Horenstein |
Solisten Ensemble |
Westminster Archipel |
1954 |
15‘38 |
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I Instrumente
im Concertino nicht immer präzise zusammen, teilweise im Hintergrund, etwas
flüchtig, insgesamt musikantisch, II Musik läuft wie von selbst, wie
durchgezogen, auch III hier kein Presto – Interpretation hinterlässt keinen
bleibenden Eindruck |
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3-4 |
Herbert von Karajan |
Berliner Philharmoniker |
DGG |
1964 |
16‘46 |
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I
zielstrebig nach vorn, Flöten fast immer im Vordergrund, II philharmonisch
breit, weniger klanglich differenziert, zu gewichtig, III philharmonischer
Streicher-Sound – etwas Hall, ohne Leichtigkeit und Lockerheit, etwas
verkrampft |
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3-4 |
Boyd Neel |
Boyd Neel Streichorchester |
Dutton |
1945 |
16‘10 |
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I etwas
äußerlich, Musik läuft durch, ziemlich kompaktes Klangbild, II in Bögen
musiziert, III gelassen, immer nach vorn, Tempo nach Vorlage – insgesamt
philharmonische Art, an historisch-informierte Aufführungspraxis dachte da
noch niemand |
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3 |
Helmut Koch |
Kammerorchester Berlin |
Eterna Berlin Classics |
1972 |
17‘34 |
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I Musik zu
sehr wie buchstabiert, gute Transparenz, II noch im romantischen Flair,
Streicher mit breitem Strich – insgesamt philharmonische Art |
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3 |
Friedrich Tilegant |
Südwestdeutsches Kammerorchester |
Bertelsmann Europa u. a. |
~
1960 |
16‘42 |
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I ganz ohne
Pfiff, lahm, II große Bögen? III
Musiker ohne richtige Teilnahme, es läuft so |
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2-3 |
Hermann Scherchen |
Orchester der Wiener Staatsoper |
Westminster MCA |
1960 |
20‘31 |
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I T.1/2
nicht ganz klar, Balance zwischen Solo-Vl. und
Flöten nicht immer top, wurde genügend geprobt? Concertino und Ripieno nicht immer im ausgewogenen Verhältnis, II
Adagio, gezogen, III hier ähnlich, nirgends ein Presto – philharmonische
Streicher, schwerfällig |
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Nikolaus Harnoncourt
Der Cellist Nikolaus Harnoncourt war
einer der ersten Musiker, die mit der Aufführungspraxis barocker Partituren
unzufrieden war, wie er sie bei den Wiener Symphonikern zu Beginn der 1950er
Jahre als Cellist erlebte. Er gründete in Wien ein Ensemble aus gleichgesinnten
Musikern, vor allem Streichern, und probierte einen anderen Zugang zu
Partituren aus der Barockzeit. Dieses Ensemble nannte er Concentus
Musicus Wien. Der Einsatz von Instrumenten aus der Entstehungszeit der
jeweiligen Partituren musste geübt werden. Im Jahre 1964 war es endlich soweit,
dass die kleine Gruppe von der Schallplatten-Firma Telefunken unter Vertrag
genommen wurde, um Kantaten von Bach nach historischer Aufführungspraxis
aufzunehmen. Neben den Streichern verpflichtete man auch Bläser und Schlagzeug,
die für eine bestimmte Partitur erforderlich waren.
Bachs Brandenburgische Konzerte standen
bereits zu Beginn auf dem Aufnahmeplan (1964). Siebzehn Jahre später erfolgte
eine Neuaufnahme. Die Musiker verfügten jetzt über eine größere Erfahrung im
Umgang mit den historischen Instrumenten, oder waren durch jüngeren
Instrumentalisten ersetzt worden. 1964 liegen die Instrumente sowohl im
Concertino als auch im Ripieno, klanglich eng
beieinander. Das hat sich im Laufe der Jahre verbessert und den Klang insgesamt
geöffnet und verschlankt. Auch das etwas schnellere Tempo in allen drei Sätzen
(1981) wirkt sich positiv auf den Gesamteindruck aus.
eingestellt am 08.03.26